Herzlich willkommen!
Sie schreiben ein Buch oder ein Theaterstück? Sie arbeiten an einem Drehbuch oder an einer Kurzgeschichte? Glückwunsch! Schreiben ist eines der schönsten Dinge der Welt! Aber es ist auch eine der einsamsten und schwierigsten Beschäftigungen, wenn man alleine vor seinem Text sitzt, ohne Hilfe, ohne Unterstützung.Das will Tatort-Schreibtisch ändern!
Von den Profis lernen – das ist die Logline unserer Autoreninitiative. Erfahrene und erfolgreiche Schreib-Profis berichten auf dieser Webseite von ihrer Arbeit und verraten Ihnen Tipps und Tricks, mit denen Sie auf dem Buchmarkt oder im Drehbuchgeschäft erfolgreich sind.
Das Herz unserer Initiative ist das Autorenpaten-Programm. Hier bieten Ihnen über 40 renommierte und professionell schreibende Autorinnen und Autoren an, Sie und Ihr Schreibprojekt mit ihrem Wissen und ihrem Rat zu begleiten.
Mit unserem Autorenpaten-Programm sind wir Partner des innovativen Verlagsprojektes Woobooks. Alle Manukripte, für die bei einem unserer Autorenpaten und -patinnen eine Manuskripteinschätzung gebucht wurde, haben die Chance auf eine Verlagsveröffentlichung.
In unserer Rubrik "Tatort -Schreibtisch: Ausgezeichnet!" präsentieren wir preisgekrönte oder preisnominierte Kurzgeschichten, die den jeweiligen Autoren große Beachtung verschafft haben - zum Nachlesen und zum Mut machen.
Ergänzt wird unsere Seite durch verschiedene Rubriken: zum Beispiel die "Frage der Woche", die "Schreibregel der Woche" oder auch der "Tatort der Woche", in der bekannte Autoren ihren Arbeitsplatz vorstellen.
In der Rubrik Über Tatort-Schreibtisch erklären wir kurz, wie die Webseite funktioniert, in der Rubrik FAQ beantworten wir alle Fragen zu unserem Autorenpaten-Programm.
Viel Spaß beim Lesen!
Ihr
Markus Stromiedel

Markus Stromiedel ist Autor und Drehbuchautor und Initiator von "Tatort-Schreibtisch"
weiterlesen
weniger
Profiautoren als Ratgeber
Es gibt folgende Autorenpaten-Programme:
Was Sie schon immer fragen wollten
Ihr Autorenpate oder Ihre Autorenpatin telefoniert mit Ihnen und gibt Ihnen Antworten auf Ihre Fragen zu Verlagen, zur Buchbranche, zur Kino- und Fernsehlandschaft oder der Theaterwelt.
Einschätzung Ihres Textes / Buches / Drehbuches
Ihr Autorenpate oder Ihre Autorenpatin liest und analysiert Ihr Manuskript und schreibt für Sie auf, was gelungen ist und wo Ihr Text noch Arbeit braucht. Da Ihr Autorenpate fachlich erfahren und nur Ihnen verpflichtet ist, werden Sie eine sowohl genaue als auch offene Einschätzung bekommen. Auf Wunsch können Sie danach mit Ihrem Autorenpaten über Ihr Manuskript sprechen und sich Rat einholen, wie Sie Ihren Text verbessern können.
Beratung bei Ihrer Verlags- oder Agenturbewerbung
Ihr Autorenpate oder Ihre Autorenpatin liest Ihr Exposé und sichtet Ihre Bewerbungsunterlagen und gibt Ihnen anschließend schriftlich eine genaue Rückmeldung, an welchen Punkten Sie noch arbeiten müssen, damit ihre Bewerbung bei einem Verlag oder einer Agentur Erfolgschancen hat. Auf Wunsch können Sie anschließend mit Ihrem Autorenpaten über Ihr Exposé und die Bewerbung sprechen und Antworten auf Ihre Fragen bekommen.
Individuelles Patenprogramm
Bei einigen der Autorenpaten haben Sie die Möglichkeit, ein individuelles Coaching zu buchen. Hier geht der Autorenpate tiefergehend auf Sie und Ihre Probleme beim Schreiben ein und versucht, Ihnen Wege und Tricks aufzuzeigen, sich und Ihren Stil noch weiter zu verbessern. Auf Wunsch begleitet Ihr Autorenpate Sie während Ihrer Bucharbeit.
FAQ - Häufig gestellte Fragen zum Autorenpaten-Programm
Das Programm und die Preise im Detail
Das sind die Autorenpaten
Manuskript für das Autorenpatenprogramm einreichen
Hilfe durch das Autorenpaten-Programm
Im Autorenpaten-Programm von Tatort-Schreibtisch haben Sie die Möglichkeit, sich für Ihr aktuelles Schreibprojekt eine professionelle Autorin oder einen erfolgreichen Autor als Ratgeber an Ihre Seite zu holen. Das Angebot reicht vom Info-Gespräch über die fachliche Einschätzung Ihres Manuskriptes bis zur Beratung bei Ihrer Verlags- oder Agentur-Bewerbung. Alle Autorenpaten sind erfahrene Schreib-Profis, die ihre Texte erfolgreich in Verlagen veröffentlichen, häufig preisgekrönt sind und z.T. auch als Dozenten lehren. Tatort-Schreibtisch ist Partner von Woobooks.Es gibt folgende Autorenpaten-Programme:
Was Sie schon immer fragen wollten
Ihr Autorenpate oder Ihre Autorenpatin telefoniert mit Ihnen und gibt Ihnen Antworten auf Ihre Fragen zu Verlagen, zur Buchbranche, zur Kino- und Fernsehlandschaft oder der Theaterwelt.
Einschätzung Ihres Textes / Buches / Drehbuches
Ihr Autorenpate oder Ihre Autorenpatin liest und analysiert Ihr Manuskript und schreibt für Sie auf, was gelungen ist und wo Ihr Text noch Arbeit braucht. Da Ihr Autorenpate fachlich erfahren und nur Ihnen verpflichtet ist, werden Sie eine sowohl genaue als auch offene Einschätzung bekommen. Auf Wunsch können Sie danach mit Ihrem Autorenpaten über Ihr Manuskript sprechen und sich Rat einholen, wie Sie Ihren Text verbessern können.
Beratung bei Ihrer Verlags- oder Agenturbewerbung
Ihr Autorenpate oder Ihre Autorenpatin liest Ihr Exposé und sichtet Ihre Bewerbungsunterlagen und gibt Ihnen anschließend schriftlich eine genaue Rückmeldung, an welchen Punkten Sie noch arbeiten müssen, damit ihre Bewerbung bei einem Verlag oder einer Agentur Erfolgschancen hat. Auf Wunsch können Sie anschließend mit Ihrem Autorenpaten über Ihr Exposé und die Bewerbung sprechen und Antworten auf Ihre Fragen bekommen.
Individuelles Patenprogramm
Bei einigen der Autorenpaten haben Sie die Möglichkeit, ein individuelles Coaching zu buchen. Hier geht der Autorenpate tiefergehend auf Sie und Ihre Probleme beim Schreiben ein und versucht, Ihnen Wege und Tricks aufzuzeigen, sich und Ihren Stil noch weiter zu verbessern. Auf Wunsch begleitet Ihr Autorenpate Sie während Ihrer Bucharbeit.
FAQ - Häufig gestellte Fragen zum Autorenpaten-Programm
Das Programm und die Preise im Detail
Das sind die Autorenpaten
Manuskript für das Autorenpatenprogramm einreichen
weiterlesen
weniger
Autorenpatin der Woche
Dina El-Nawab kennt das Drehbuchgeschäft von Grund auf: als Dramaturgin, als Redakteurin und als Autorin...
Dina El-Nawab
Autorenpatin für Prosa und DrehbuchDina El-Nawab kennt das Drehbuchgeschäft von Grund auf: als Dramaturgin, als Redakteurin und als Autorin...
Die studierte Germanistin und Sozialpsychologin forschte
über "Suspense im Film", schrieb über Hitchcocks "Psycho", arbeite als
Filmkritikerin und betreutet danach über sechs Jahre lang als
ARD-Redakteurin erfolgreiche Vorabendserien wie "Der Fahnder", für
dessen Relaunch sie mit ihrem Team für den Deutschen Fernsehpreis
nominiert wurde. Als Drehbuchautorin schrieb sie viele Jahre für
Erfolgs-Serien wie "Großstadtrevier", "Notruf Hafenkante" und "Morden im
Norden". Neben ihrer Arbeit als hauptberufliche Autorin berät sie als
Dramaturgin Drehbuchautoren bei ihrer Arbeit. Inzwischen schreibt sie
auch als Prosa-Autorin erfolgreich Bücher für Kinder und Jugendliche.
Dina El-Nawab ist eine der Paten im Autorenpaten-Programm von Tatort-Schreibtisch.
Bibliograpie (Auswahl):
Drehbuch
Der Kuss der Spinne, Notruf Hafenkante, ZDF
Im Netz, Morden im Norden, ARD
Vermisst (mit M. Stromiedel), Großstadtrevier, ARD
Home sweet home (mit M. Stromiedel), Großstadtrevier, ARD
Prosa
Holt mich hier raus! - T. Rolles unzensiertes Pannenprotokoll, Ueberreuter Verlag
Sachbuch
Hitchcocks Psycho, Coppi-Verlag
zum Autorenpaten-Programm
Autorenfoto: Volker Lannert
Dina El-Nawab ist eine der Paten im Autorenpaten-Programm von Tatort-Schreibtisch.
Bibliograpie (Auswahl):
Drehbuch
Der Kuss der Spinne, Notruf Hafenkante, ZDF
Im Netz, Morden im Norden, ARD
Vermisst (mit M. Stromiedel), Großstadtrevier, ARD
Home sweet home (mit M. Stromiedel), Großstadtrevier, ARD
Prosa
Holt mich hier raus! - T. Rolles unzensiertes Pannenprotokoll, Ueberreuter Verlag
Sachbuch
Hitchcocks Psycho, Coppi-Verlag
zum Autorenpaten-Programm
Autorenfoto: Volker Lannert
weiterlesen
Tatort der Woche
Das ist es nun: mein neues Arbeitseck im Wohnzimmer. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge bin ich vor Kurzem mit meinem Kram übersiedelt. Bis dato hatte ich ein ganzes Schreibzimmer zur Verfügung, das ich zugunsten meiner pubertären Tochter geräumt habe...
Nach langem hin und her und viel Getüftel bauten wir das Wohnzimmer so um, dass hier direkt beim Terassenfenster mit Blick in den Garten ein helles und freundliches Eckchen entstand. Und das habe ich mir wohnlich eingerichtet.
Es besteht aus einem Hauptschreibtisch mit Desktop, der auch über Internetanschluss verfügt und einem Nebenschreibtisch, den man ausklappen kann, wenn man ihn braucht. Hier schreibe ich am Laptop ohne Internetanschluss (damit ich nicht abgelenkt werde) meine Texte mit Blick in den Garten.
Der Buddha sorgt für die notwendige Gelassenheit, wenn der Abgabetermin wieder drängt, mit Sinnsprüchen und Tee starte ich in den Tag. Die Orchideen sind mein Steckenpferd, wie meine Fans wissen, und kommen immer wieder in meinen Texten vor.
Auf dem Hauptschreibtisch steht allerlei Kram, den ich brauche, vor allem Schreibutensilien. Ganz rechts sieht man auch ein paar Grafit- und Kohlestifte, für "Zeichenanfälle" zwischendurch. Die Urkunde von meinem ersten Literaturwettbewerb, den ich gewonnen habe, ist der letzte Rest meiner "Wall of Fame", die in meinem Schreibzimmer eine ganze Wand einnahm und für die ich leider jetzt keinen Platz mehr habe. Dort hatte ich alle Plakate meiner Lesungen gesammelt und auch die Urkunden der Literaturwettbewerbe.
Außerdem steht das Schild vor dem Monitor, das zuvor an meiner Bürotür hing, ein Geschenk und zugleich ein letztes Andenken an mein ehemaliges Zimmer.
Der Delphin ist ein Glücksbringer von meiner Tochter. Die Unterlage dient nicht zu Werbezwecken sondern zum Kritzeln während dem Telefonieren und Notieren von Geistesblitzen. Sehr praktisch, kann ich nur jedem empfehlen!
Links neben dem Monitor steht ein Foto mit meiner Erstgeborenen und daneben mein erstes "Buchbaby". Diesen Coverständer habe ich für meine Lesungen gebastelt, weil der Roman in den ersten neun Monaten nur als E-Book erhältlich war.
Auch eine Taschenlampe steht am Schreibtisch, für alle Fälle, falls der große Black Out kommt ;-)
Wie man an meinem Mouse Pad, sieht bin ich leidenschaftliche Gamerin. Am liebsten spiele ich Strategie- und Rollenspiele mit Fantasy- oder Historyhintergrund. Dafür fehlt mir leider seit Monaten die Zeit.
Auf dem kleinen Schreibtisch, den man zum Highboard zusammenschieben kann, steht noch ein ganz wichtiges Teil. :-) Das sogenannte Orgasmotron habe ich vor 25 Jahren in Sydney gekauft und es leistet immer noch wundervolle Dienste, wenn der Kopf mal wieder dröhnt. Wie funktioniert das? Das spinnenartige Drahtgestell zurechtbiegen, einfach auf dem Hinterkopf aufsetzen und dann ganz leicht hinunterdrücken, wieder hoch, drehen, runterdrücken.... die perfekte Do it Yourself Kopfmassage. :-)
Hier gibt es mehr Informationen über Jennifer B. Wind
Orchideen und Orgasmotron
von Jenny B. WindDas ist es nun: mein neues Arbeitseck im Wohnzimmer. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge bin ich vor Kurzem mit meinem Kram übersiedelt. Bis dato hatte ich ein ganzes Schreibzimmer zur Verfügung, das ich zugunsten meiner pubertären Tochter geräumt habe...
Nach langem hin und her und viel Getüftel bauten wir das Wohnzimmer so um, dass hier direkt beim Terassenfenster mit Blick in den Garten ein helles und freundliches Eckchen entstand. Und das habe ich mir wohnlich eingerichtet.
Es besteht aus einem Hauptschreibtisch mit Desktop, der auch über Internetanschluss verfügt und einem Nebenschreibtisch, den man ausklappen kann, wenn man ihn braucht. Hier schreibe ich am Laptop ohne Internetanschluss (damit ich nicht abgelenkt werde) meine Texte mit Blick in den Garten.
Der Buddha sorgt für die notwendige Gelassenheit, wenn der Abgabetermin wieder drängt, mit Sinnsprüchen und Tee starte ich in den Tag. Die Orchideen sind mein Steckenpferd, wie meine Fans wissen, und kommen immer wieder in meinen Texten vor.
Auf dem Hauptschreibtisch steht allerlei Kram, den ich brauche, vor allem Schreibutensilien. Ganz rechts sieht man auch ein paar Grafit- und Kohlestifte, für "Zeichenanfälle" zwischendurch. Die Urkunde von meinem ersten Literaturwettbewerb, den ich gewonnen habe, ist der letzte Rest meiner "Wall of Fame", die in meinem Schreibzimmer eine ganze Wand einnahm und für die ich leider jetzt keinen Platz mehr habe. Dort hatte ich alle Plakate meiner Lesungen gesammelt und auch die Urkunden der Literaturwettbewerbe.
Außerdem steht das Schild vor dem Monitor, das zuvor an meiner Bürotür hing, ein Geschenk und zugleich ein letztes Andenken an mein ehemaliges Zimmer.
Der Delphin ist ein Glücksbringer von meiner Tochter. Die Unterlage dient nicht zu Werbezwecken sondern zum Kritzeln während dem Telefonieren und Notieren von Geistesblitzen. Sehr praktisch, kann ich nur jedem empfehlen!
Links neben dem Monitor steht ein Foto mit meiner Erstgeborenen und daneben mein erstes "Buchbaby". Diesen Coverständer habe ich für meine Lesungen gebastelt, weil der Roman in den ersten neun Monaten nur als E-Book erhältlich war.
Auch eine Taschenlampe steht am Schreibtisch, für alle Fälle, falls der große Black Out kommt ;-)
Wie man an meinem Mouse Pad, sieht bin ich leidenschaftliche Gamerin. Am liebsten spiele ich Strategie- und Rollenspiele mit Fantasy- oder Historyhintergrund. Dafür fehlt mir leider seit Monaten die Zeit.
Auf dem kleinen Schreibtisch, den man zum Highboard zusammenschieben kann, steht noch ein ganz wichtiges Teil. :-) Das sogenannte Orgasmotron habe ich vor 25 Jahren in Sydney gekauft und es leistet immer noch wundervolle Dienste, wenn der Kopf mal wieder dröhnt. Wie funktioniert das? Das spinnenartige Drahtgestell zurechtbiegen, einfach auf dem Hinterkopf aufsetzen und dann ganz leicht hinunterdrücken, wieder hoch, drehen, runterdrücken.... die perfekte Do it Yourself Kopfmassage. :-)
Hier gibt es mehr Informationen über Jennifer B. Wind
weiterlesen
Frage der Woche

Das Projektkonzept ist – vereinfacht gesagt – ein sehr ausführliches Exposé, in dem eine Vielzahl von Informationen sehr übersichtlich notiert sind, mit denen der Verlag ein eingereichtes Projekt einschätzen und später die Veröffentlichung planen und vorbereiten kann. Das ist bei Sachbücher wichtig, aber auch belletristische Verlage verlangen mitunter ein Projektkonzept.
Ich persönlich ziehe ein Projektkonzept einem einfachen Exposé vor...
Beim Inhalt eines Projektkonzeptes unterscheide ich zwischen den Dingen, die unbedingt hineinmüssen – die Pflicht –, und jenen Punkten, die eine gute Ergänzung sein können, aber nicht unbedingt nötig sind – die Kür.
Damit hätten Sie nun die wichtigsten Teile beisammen und ein Exposé wie es üblich und gewünscht ist. Aber es geht noch besser ;-).
Prämisse (beim Drehbuch auch Log-Line)
Pitch
Kurzexposé
Sie können das Pferd natürlich auch von hinten aufzäumen und zuerst das Kurzexposé schreiben und dann schrittweise das Exposé zum Pitch kürzen.
Sie stöhnen gerade auf – so viel Arbeit für ein Exposé … ? Ja, es ist Mehrarbeit, die Sie vielleicht für unnötig halten. Aber Sie wollen Ihr Buch verkaufen und bekommen dafür in der Regel nur eine Chance von wenigen Minuten. Nutzen Sie diese!
Jennifer B. Wind, Bestsellerautorin aus Österreich, sprudelt nur so vor Ideen, was nicht nur ihre Werke, sondern auch ihr Leben spannend macht. Sie arbeitete als Journalistin und als Flugbegleiterin, war Mitglied einer Musicalcompany, stand vor der Kamera und auf der Bühne und ließ sich berufsbegleitend zur Drehbuchautorin ausbilden. Gleich ihr Debüt, der Thriller „Als Gott schlief“, wurde zum Bestseller. Inzwischen kümmert Sie sich auch um Nachwuchsautoren, ist Autorenpatin bei „Tatort-Schreibtisch“ und hat eine Webseite, auf der Sie viel von sich erzählt: www.jennifer-b-wind.com
Mehr Infos zur Exposé-Beratung im Autorenpaten-Programm von Tatort-Schreibtisch
Ich soll für zu meinem Manuskript ein Projektkonzept schreiben. Was ist das, und was gehört in ein solches Konzept?
Von Jennifer B. Wind
Das Projektkonzept ist – vereinfacht gesagt – ein sehr ausführliches Exposé, in dem eine Vielzahl von Informationen sehr übersichtlich notiert sind, mit denen der Verlag ein eingereichtes Projekt einschätzen und später die Veröffentlichung planen und vorbereiten kann. Das ist bei Sachbücher wichtig, aber auch belletristische Verlage verlangen mitunter ein Projektkonzept.
Ich persönlich ziehe ein Projektkonzept einem einfachen Exposé vor...
Beim Inhalt eines Projektkonzeptes unterscheide ich zwischen den Dingen, die unbedingt hineinmüssen – die Pflicht –, und jenen Punkten, die eine gute Ergänzung sein können, aber nicht unbedingt nötig sind – die Kür.
Die Pflicht:
Ihr Name und Ihre Kontaktdaten
(zum Beispiel im Briefkopf)
Der Arbeitstitel des Werks
Vermutlich wird der Titel später vom Verlag wieder geändert, dennoch empfiehlt es sich einen wirklich guten Titel zu finden, und keinen Platzhalter.
Die Genre-Bezeichnung
Thriller oder Krimi? Fantasy oder Liebesroman? Schreiben Sie auf, um welches Genre es sich bei Ihrem Buch Ihrer Meinung nach handelt. Im Exposé selbst können Sie auch näher darauf eingehen, unter dem Titel reicht ein Wort.
Der Zeichenumfang
Das ist ganz wichtig für den Verlag, um vorab zu planen.
Subgenre
Ein Krimi ist oft nicht nur ein Krimi. Es gibt viele Spielarten. Wo sehen Sie Ihr Buch? Ist es ein Whodunit, ein historischer Krimi, ein heiterer Regionalkrimi oder ein harter Politthriller? Das Subgenre ist wichtig für die Platzierung im Verlagsprogramm, die Zielgruppenfestlegung und auch für die Gestaltung. Harte Thriller erhalten andere Cover als humorvolle Bayernkrimis.
Zielgruppe
Analysieren Sie Ihr Buch. Wen könnten Sie damit ansprechen? Im besten Fall lesen Sie als Autor/in selbst sehr viel und kennen die Bücher der Konkurrenz. Mit welchen Büchern können Sie Ihr Buch am ehesten vergleichen? Oder ist das Buch thematisch für eine bestimmte Zielgruppe besonders interessant? Ihr Protagonist ist Stewart auf einem Kreuzfahrtschiff und auf dem Weg in die Karibik? Dann finden Sie Ihre Hauptzielgruppe womöglich unter den Urlaubern und der Verlag wird sich überlegen, den Erscheinungstermin Ihres Buchs auf die Urlaubszeit zu verlegen. Oder ist Ihr Protagonist ein Gletscherforscher, der in der Weihnachtszeit eine Leiche in einer Gletscherspalte findet? Welchen Stil hat Ihr Buch? Welche Fans anderer Autor/innen könnten auch Ihr Buch mögen? Und bleiben Sie ehrlich. Übertreiben Sie nicht. Sie haben einen humorvollen Regionalkrimi geschrieben, der im bayrischen Wald spielt?? Dann geben Sie als Zielgruppe nicht „Für Fans von Stephen King und Dan Brown“ an. ;-)
Schauplätze
Dieser Punkt ist wichtig für den Verlag, um den Programmplatz zu finden. Hat ein Verlag schon acht witzige München-Krimis im Programm, wird es der 9. Krimi dieser Art eher schwierig haben und abgelehnt werden. Ist es hingegen ein Polit-Thriller, der im Duisburg der Nachkriegszeit spielt, und sich etwas Vergleichbares noch nicht im Programm des Verlags findet, wird man als Lektor einen zweiten Blick wagen, natürlich nur, sofern der Verlag Krimis und Thriller verlegt. Sie lachen? Auch hier habe ich schier Abenteuerliches erlebt, als ein Coaching Klient seinen Thriller an einen Verlag anbot, der ausschließlich Fantasy und Science-Fiction verlegt. Natürlich wurde der Thriller abgelehnt. ;-)
Figurenprofile
Hier stellen Sie die wichtigsten Figuren in maximal fünf Sätzen vor. Der Fokus liegt hier auf den Hauptfiguren! Nebenfiguren werden nur extra vorgestellt, wenn sie einen großen Einfluss auf die Geschichte haben. Auch Figurenprofile schreiben Sie am besten nach dem Motto „Show, don´t tell“, dadurch bekommen die Figuren mehr Dynamik und sind greifbarer, als wenn Sie nur plakativ beschrieben werden, nach dem Motto: 174 groß, blond, schlank und 23 Jahre alt. Das ist langweilig. Sie wollen den Lektoren ja festnageln, er soll das ganze Exposé und die Leseprobe lesen. Seien Sie also originell und erzählen Sie spannend. „Tiberius Rolf stößt sich zum dritten Mal an der Dachschräge den Kopf und steigt in ein Pizzaeck vom Vortag, als sein Telefon unter dem Wäscheberg am Boden klingelt.“ Dieser Satz sagt bereits sehr viel über die Figur aus und der Leser hat sofort ein Bild von Tiberius im Kopf, besser als es „Tiberius Rolf, 34 Jahre alt, groß, Single, ungeschickt, schlampig, chaotisch, wohnt in einer kleinen Wohnung unter dem Dach …“ könnte.
Hintergründe / Motivation / Fakten zum Buch
Dieser Punkt ist besonders wichtig bei speziellen Romanen, wie etwa historische, politische, oder gesellschaftskritische Krimis, die mitunter auch reale Begebenheiten verarbeiten. Hier erklären Sie Ihre spezielle Motivation, genau diesen Roman geschrieben zu haben. Ihr Krimi spielt in der Zeit des zweiten Weltkriegs und Ihre Protagonistin ist eine Widerstandskämpferin? Vielleicht kam Ihnen die Idee dazu, weil Ihre Großmutter eine Widerstandskämpferin war? Ihre Protagonistin kämpft in Ihrem Buch gegen den Krebs? Möglicherweise haben Sie selbst diese Krankheit überlebt? Das sind wichtige Motivationen, die für den Verlag sehr interessant sind, da sie auch bei der Vermarktung später eine Rolle spielen können.
Aufbau
Handelt es sich um einen in sich abgeschlossenen Roman oder den Auftakt einer Serie oder Trilogie? Ist er in einer außergewöhnlichen Erzählperspektive geschrieben oder beginnt er etwa mit dem Ende zuerst?
Inhalt samt Schluss
Ganz wichtig! Im Exposé findet sich die komplette Inhaltsangabe! Keine losen oder offenen Enden. Keine Fragen. Der Verlag will wissen, wie es ausgeht. Komplett bedeutet allerdings nicht, sämtliche Szenen nach zu erzählen. Konzentrieren Sie sich hier ausschließlich auf den Hauptplot! Schweifen Sie nicht ab. Nebenhandlungen werden nur im Exposé einbezogen, wenn sie großen Einfluss auf den Hauptplot haben, wie etwa einen Wendepunkt herbeiführen oder die Auflösung in einem Kriminalfall beschleunigen. Schreiben Sie hier auch nicht Szene für Szene, das machen Sie später in einem Szenenplan, den einige Verlage verlangen. Aber ins Verkaufs-Exposé oder in ein Projektkonzept gehört dieser nicht.
Schreiben Sie die Inhaltsangabe so, dass sie zum Buch passt, was den Tonfall betrifft. Bei einem Drama ist eine humorvolle Inhaltsangabe fehl am Platz. In einem historischen Roman werden keine heutzutage umgangssprachlichen Begriffe verwendet. Schreiben Sie im Präsens. Auch wenn der Roman im 17. Jahrhundert spielt.
Die Kür:
In der erweiterten Version des Projektkonzepts fügen sich noch Zusatzbausteine ein, die sehr gern gesehen werden und die fortgeschrittene Autor/innen nutzen. Ich selbst bin eine Liebhaberin des Projektkonzepts, denn dank der folgenden Elemente bekommt der Lektor sofort einen viel besseren Überblick von Ihrem Buch.
Fassen Sie Ihr Buch in einen einzigen Satz zusammen! Vergleichbar mit einer Schlagzeile in einer Zeitung. Bei meinem ersten Roman war dies „Die Wahrheit kommt immer ans Licht!“ Dieser Satz zeigt schon ganz viel, worum es in meinem Roman geht: um Dinge, die unter die Decke gekehrt wurden, jahrelange Vertuschungen und die dann doch ans Licht kommen. Der Lektor hat durch einen solchen Satz sofort ein Bild im Kopf.
Bei meinem zweiten Roman hat es mein vorangestellter Satz sogar geschafft, vom Verlag als Werbesatz verwendet zu werden, und er wurde auch über den Klappentext gedruckt: „Das schmutzige Geschäft mit der Hoffnung“. Im Buch geht es um Menschenhandel, Flucht und Schlepperei. Dieser Satz fasst quasi 500 Seiten zusammen.
Den richtigen Satz für Ihr Buch zu finden, gelingt Ihnen sicher nicht auf Anhieb, noch schwieriger wird es, wenn das Buch noch nicht geschrieben ist.
Mit meinen Klienten, die ich als Coachin betreue, aber auch in meiner Exposé-Beratung mache ich deshalb folgende Übung: Suchen Sie sich Bücher, die Sie gelesen haben und sehr mögen. Sie können diese Übung auch mit Filmen machen. Versuchen Sie, die Kernaussage des Filmes oder des Buches in einen Satz zu fassen. Gelingt es Ihnen nicht, sofort einen Satz zu finden, beginnen Sie Ihre Zusammenfassung mit exakt 3 Sätzen, nicht mehr! Machen Sie danach zwei Sätze daraus und schließlich nur noch einen. Üben sie ausgiebig, mit der Zeit werden Sie dafür ein Gefühl entwickeln.
Fangen Sie gleich damit an:
Fassen Sie folgende Filme in einen einzigen Satz (oder mit der 3,2,1 Methode) zusammen: „Romeo und Julia“, „Hamlet“, „Avatar“, „Der Da Vinci Code“, „Terminator“, „Der Herr der Ringe“, „Harry Potter“, „Catch me if you can“, „Titanic“, „Alien“, „The Notebook“, „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, „Der Marsianer“, „Wall-E“, „ET“, „Forrest Gump“, „Ben Hur“, „Slumdog Millionär“, „Schindlers Liste“, „Dallas Buyers Club“, „Silver Linings“ „Spotlight“.
In Amerika geht schon lange nichts mehr ohne den Pitch. Nicht nur in der Verlags- und Filmwelt wird der Pitch genutzt, er ist auch sonst ein gutes Marketinginstrument gegenüber Kunden. Auch Start-Up-Ideen lassen sich prima mit dem Pitch verkaufen, wie man an der Sendung „Die Höhlen der Löwen“ sieht.
Ein Pitch soll kurz und knackig sein und auf das Produkt Lust machen, egal ob es um Saft, Kaugummi oder ein Buch geht. In maximal einer Minute soll das Gegenüber alles Wissenswerte über das Produkt erfahren und im besten Fall so, dass er es sofort kaufen will. Gutes Pitchen lernen Sie nur durch Übung.
Der Pitch besteht aus maximal 4 Sätzen. Folgende Fragen sollten darin möglichst interessant und spannend beantwortet werden:
Was passiert? Wo passiert es? Wem passiert es? (Erster Satz) Was passiert nach dem auslösenden Ereignis? (Zweiter Satz) Wie geht es aus? (Dritter Satz) Worum geht es in der Geschichte eigentlich? (Vierter Satz, dieser ergibt sich aus der Motivation des Protagonisten und der auslösenden Ereignisse.)
Und jetzt pitchen Sie doch mal meine Filmvorschläge! Viel Spaß!
Das Kurzexposé ist nicht zu verwechseln mit dem Klappentext, auch wenn es sich ähnelt. Es ist maximal eine halbe Seite lang und fasst das Buch sehr gestrafft zusammen. Im besten Fall findet es sich auch noch auf der ersten Seite und ködert den Lektor zusammen mit dem Pitch.
Beim Kurzexposé darf das Ende verraten werden, muss es aber nicht. Es soll ähnlich wie bei einem Klappentext definitiv Appetit auf den Text machen. Wir wollen ja, dass der Lektor weiterliest. Hier müssen Sie darauf achten, dass sich im Kurzexposé nicht schon zu viele Personen tummeln. Beschränken Sie sich auf die Hauptfigur und den Hauptkonflikt.
Im Falle eines Kriminalromans stellen Sie hier etwa den Ermittler in den Fokus und den Fall, außerdem die Wendepunkte. Wenn Sie es schon erfolgreich geschafft haben, einen Pitch zu kreieren, wird Ihnen das Kurzexposé nicht mehr schwerfallen. Auch hier können Sie mit der Filmliste üben und diese täglich erweitern.
Die Punkte der Kür fügen Sie wie folgt ein:
Wenn Sie die erste Seite mit Titel, Genrebezeichnung, Log-Line, Pitch und Kurzexposé gestalten, dann bekommt der Lektor auf den ersten Blick, ohne Umblättern zu müssen, bereits sehr viele Informationen übersichtlich präsentiert. Wenn Sie das gut gemacht haben, will der Lektor jetzt weiterlesen, und dann kann (fast) nichts mehr schiefgehen. ;-)
Danach fügen Sie das normale Exposé, wie oben besprochen ein.
Jennifer B. Wind, Bestsellerautorin aus Österreich, sprudelt nur so vor Ideen, was nicht nur ihre Werke, sondern auch ihr Leben spannend macht. Sie arbeitete als Journalistin und als Flugbegleiterin, war Mitglied einer Musicalcompany, stand vor der Kamera und auf der Bühne und ließ sich berufsbegleitend zur Drehbuchautorin ausbilden. Gleich ihr Debüt, der Thriller „Als Gott schlief“, wurde zum Bestseller. Inzwischen kümmert Sie sich auch um Nachwuchsautoren, ist Autorenpatin bei „Tatort-Schreibtisch“ und hat eine Webseite, auf der Sie viel von sich erzählt: www.jennifer-b-wind.com
Mehr Infos zur Exposé-Beratung im Autorenpaten-Programm von Tatort-Schreibtisch
weiterlesen
Tatort-Schreibtisch-Buch der Woche
Jan Schröter: "Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte..."
Tom Schröder will Autor werden! Ein berühmter Autor, das klappt garantiert, ist Tom sich sicher. Dass der Weg zum Erfolg ihn auf jede Menge Abwege führt, macht die Sache kompliziert...
Egal, ob als Blumenverkäufer auf dem Hamburger Isemarkt oder in den
Dünen mit Doro, zwischen Textilschmugglerinnen in Südamerika oder auf
Drehbuch-Recherche in Australien, Toms schräger Charme schlägt noch in
verlorensten Lebenslagen durch - bis ihn Romane und Drehbücher fast das
Leben kosten ...
Ein augenzwinkernder autobiographischer Roman, der einen tiefen Einblick in das Leben eines Autors bietet.
»Jan Schröter ist ein Spezialist für existentielle Fragen in lockerem Unterhaltungston, und er beantwortet sie mit einem sehr feinen, leisen Humor.« - BRIGITTE
Jan Schröters autobiographischer Schelmenroman - garantiert wahr!
ISBN 9783946312147
Paperback, 320 Seiten
Print-Ausgabe: 16 € (A: 16,50 €)
E-Book: 12,99 €
Hörbuch: 9,99 €
[[reader-link]]
E-Book ohne Anmeldung kaufen
Hörbuch ohne Anmeldung kaufen
gedrucktes Buch kaufen

Jan Schröter kennt die Höhen und die Tiefen des Autorendaseins schmerzlich genau. Er arbeitete als Journalist und Kolumnist, schrieb Reiseführer und Kurzgeschichten, massierte die Herzen der Zuschauer mit seinen Drehbüchern für den ZDF-Kultdampfer „Das Traumschiff“ und war jahrelang Stammautor der ARD-Serie „Großstadtrevier“. Bekannt geworden ist er durch seine absurd-komischen Krimis und Romane, in denen er augenzwinkernd und nicht ohne Mitgefühl seine Figuren ins Chaos stürzt.
Autorenportrait von Jan Schröter
LESERPROBE
Schreiben kann das Leben kosten.
Manchmal genügt schon eine Literaturverfilmung, um sich buchstäblich um Kopf und Kragen zu bringen, ganz zu schweigen vom Rest des Leibes. Ausgesprochen ärgerlich, wenn man erst 18 Jahre alt ist und demnach nicht nach langem, erfülltem Dasein stirbt. Nicht mal ansatzweise auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Eher im Gegenteil.
Im Spätsommer 1977 begann das sinnloseste Schuljahr meines Lebens. Beinahe wäre es mein letztes Jahr überhaupt gewesen. Fast hätte mich mein Deutschlehrer umgebracht.
Aber der Reihe nach.
Ich war 18, trug seit dem letzten Sommerurlaub in Frankreich Vollbart und Baskenmütze und schleppte meist eine knallgelbe Reiseschreibmaschine mit mir herum, deren Buchstabentypen sich dramatisch oft zu bizarren Bündeln verklemmten, wenn ich im dilettantischen Zwei-Finger-System darauf herumhackte. Die Maschine war ein Weihnachtsgeschenk meiner Eltern, ausgewählt vermutlich in der sonnigen Hoffnung, sie würde mich bei den Schularbeiten beflügeln. Stattdessen benutzte ich sie ausschließlich, um damit im Fokus der Öffentlichkeit – Café, Einkaufszentrum, Pausenhalle, Oberstufenraum – herumzusitzen und allein schon durch meinen bloßen Anblick Aufmerksamkeit zu erregen. Ich sah aus wie ein Abziehbild von Hemingway.
Meist schrieb ich vermeintlich tiefsinnige Aphorismen oder anderes krudes Zeug. Es musste einfach genial sein, weil die Inszenierung stimmte. Kleine Jungs kaufen sich ein Trikot ihres Fußballidols und fühlen sich darin wie ein Weltmeister. Mit Baskenmütze, Vollbart und Reiseschreibmaschine ging es mir sogar als Achtzehnjähriger noch vergleichbar. Ich fühlte mich dem Literaturnobelpreis ganz nah. Hatte ich nicht alles, was ein zukünftiger Starautor benötigte? Mein erster Roman würde einschlagen wie eine Bombe.
Allerdings gab es ein Problem. Mir fiel partout keine Romangeschichte ein – trotz Vollbart, Baskenmütze und Schreibmaschine. Das fand ich ziemlich gemein, leider gab es niemanden, der diesbezüglich Beschwerden annahm. Ich hätte es ohnehin nie zugegeben, dass mir nichts einfiel. Immerhin schrieb ich gutbenotete Schulaufsätze in Serie, da konnte so ein popeliger Bestsellerroman doch keine Hürde sein, also wirklich! Ich gab unverdrossen weiterhin Hemingways Abziehbild, bis mich irgendwann Bert Wagner, mein Deutschlehrer, ansprach: Es gäbe ein paar Leute, die eine Schülerzeitung gründen wollten – ob ich vielleicht …?
Bert Wagner, mein Deutschlehrer, würde mich wenig später um ein Haar umbringen, aber das ahnten wir in diesem Moment nicht.
Also Schülerzeitung, warum nicht. Das schien mir ein Anfang zu sein. Nicht annähernd so schwierig wie sich selbst einzureden, die Realisierung des großen Romans scheitere bloß an den andauernd verklemmten Buchstabentypen meiner gelben Reiseschreibmaschine. Vielleicht, dachte ich, gäbe mir die Schule so etwas von diesem verlorenen Jahr zurück, das ich gerade erlitt.
Bis in die gymnasiale Oberstufe hatte ich mich durchgewurstelt. Deutsch, Geschichte, Politik, da setzte ich meine Glanzlichter. Es war der Ausgleich für die ungeliebten Naturwissenschaften, zwei Fünfen im Zeugnis, in Mathe und Physik, ließen sich auf diese Weise straflos kompensieren. Mehr als einmal kreiste das Abstiegsgespenst über mir, aber ich kriegte es jedes Mal hin, auch nach prekärsten Halbjahreszeugnissen (»Eine Versetzung scheint zum jetzigen Zeitpunkt ausgeschlossen«) im energischen Schlussspurt zwischen Ostern und Sommerferien noch das Klassenziel zu erreichen (»Tom wird versetzt nach Klasse …«). Dann, nach dem ersten Jahr Oberstufe, erwischte es mich zusätzlich im Fach Chemie. Drei Fünfen ließen sich nicht ausgleichen, das war Gesetz.
Für mich hieß es: Ehrenrunde, zurück auf Los. Legionen frustrierter Mathematiklehrer müssen sich die Hände gerieben haben.
Und während meine sämtlichen Freunde, meine langjährige On/Off-Beziehung Martina und praktisch jeder mir vertraute Schulgefährte nach der Abiturprüfung ins Leben hinaus flatterte und hinter dem Horizont verschwand, trat ich nach den Sommerferien 1977 mein letztes Schuljahr am Gymnasium Müssenredder in Hamburg-Poppenbüttel an. Das sinnloseste Schuljahr meines Lebens, wie gesagt. In Chemie hatte ich mich wieder auf eine Vier gewürgt, ansonsten blieb alles beim Alten: Mathe Fünf, Physik Fünf. Deutsch, Geschichte, Politik die reine Wonne. In letzteren Fächern war ich schon vorher gut, für Mathe und Physik blieb ich verloren. Wozu also das Jahr nachsitzen? Obwohl mir noch jeder Zukunftsplan fehlte: Ich würde niemals im späteren Leben einen naturwissenschaftlichen Beruf ergreifen, das wusste ich seit der Grundschule.
Meine Lehrer wussten das auch.
»Tom Schröder«, pflegte einer meiner Mathelehrer zu mahnen, »du bist offensichtlich nicht für die Mathematik geschaffen, doch sogar du wirst nicht ohne sie leben können!« Für mich besaß Mathematik zu viele undurchschaubare Regeln. Ich war mehr für kreative Lösungen. Mathe, das war kalter Kaffee. Etwas für pickelige Technokraten, die sich die Hose mit der Kneifzange anzogen. Schreiben, das war das Ding. Geschichten erfinden, in denen sich Leser verlieren, wiederentdecken, in Abgründe blicken und Gipfel erklimmen.
Also Schülerzeitung.
Die zukünftige Redaktion traf sich erstmals an einem Dienstag nach dem Schulunterricht. Bert Wagner hatte die Räumlichkeit vermittelt, einen vollgerümpelten Nebenraum der Biologie-Sammlung. Als ich eintrat, entdeckte ich zunächst nur einen ausgestopften Riesen-Uhu. Er kauerte auf einem armdicken Ast, der wiederum aus einem hölzernen Podest ragte. Podest, Ast und Uhu standen auf einem langen Tisch und sahen irgendwie verloren aus.
»Hallo. Super, dass du mit dabei bist.«
Das Gesicht eines dunkelhaarigen, schmalbrüstigen Jungen tauchte plötzlich hinter dem Vogelpräparat auf und lächelte mir entgegen. Sein Lächeln erinnerte an den Uhu – es wirkte irgendwie verloren. Immerhin war er offensichtlich nicht ausgestopft.
»Ja. Mal sehen«, entgegnete ich lauwarm.
Er kam um den Tisch herum auf mich zu. Wache, braune Augen hinter einer randlosen John-Lennon-Brille. Ein milchgesichtiger Groucho Marx ohne Schnurrbart.
»Ich bin Wolfgang.« Er streckte mir seine Hand entgegen.
Ich wusste, wer er war. Wolfgang Mohn, seit kurzem Schulsprecher – ein Amt, für das sich an dieser Schule selten jemand aufdrängte und von dessen Vertretern man normalerweise noch seltener irgendwelche Anzeichen von Aktivität registrierte. Mohn hatte es geschafft, innerhalb der kurzen Spanne seines Wirkens die Schülerschaft mit einer derartigen Fülle von Anträgen und Abstimmungen zu bombardieren, dass alle nur noch genervt von ihm waren. Er rechtfertigte
diesen Aktionismus mit einer flammenden Grundsatzkundgebung, ausgehängt als Wandzeitung in der Pausenhalle, in der er sich prinzipiell dem Plebiszit sowie dem imperativen Mandat verpflichtet erklärte. Und dergleichen Zeug. Kaum jemand verstand, was er meinte, 1977 ließen sich solche Ausdrücke nicht mal so eben googeln. Das Wahlvolk hätte ihn gern zum Teufel gejagt, aber dann hätte man ein neues Opfer für den Schulsprecherposten suchen müssen. Also ertrug man Wolfgang Mohn und ließ ihn machen.
»Ich weiß. Der Schulsprecher.«
Ich ließ mich auf den angebotenen Händedruck ein. Wolfgang Mohn drückte forsch zu und konversierte munter weiter, ganz jovialer Politprofi.
»Und du bist Tom, richtig? Der Typ mit der gelben Schreibmaschine …«
»Ist mein Zwillingsbruder«, behauptete ich todernst. »Ich bin der mit der roten Schreibmaschine.«
»Echt?« Die braunen Augen blinzelten irritiert.
»Lass dich nicht vom Schröder verarschen. Den Kerl gibt’s nur einmal. Zum Glück.«
Hinter uns schob sich ein Mädchen zur Tür herein. Schmal, feingliedrig, mit glatter, dunkler Mähne, die ihr tief ins Gesicht hing und ihrem Ausdruck etwas Verhuschtes verlieh. Man hätte sie auf den ersten Blick glatt noch für eine Zwölfjährige halten können. Aber das wusste ich besser.
»In der Tat, Doro. Mit zweien von meiner Sorte wärst du niemals fertig geworden.«
Sie kicherte. Es klang wie Katzenschnurren. Nach der Mahlzeit.
»Ich bin also mit dir fertig geworden?«
»Bewahre!« Ich rang dramatisch die Hände. »Dann wären wir ja fertig miteinander. Das wäre doch schade …«
»Findest du?«
Ihr perfekt getimter Augenaufschlag vernichtete endgültig jede Illusion, eine Zwölfjährige vor sich zu haben. Die Metamorphose von kindlicher Albernheit zu erwachsenem Ernst, die Doro Gehrke jederzeit ansatzlos vollziehen konnte, verunsicherte mich zutiefst. Und auf Verunsicherung reagierte ich, dessen Persönlichkeitsbildung noch nicht über das Hemingway-Abziehbild herausgewachsen war, wie ein Vampir auf den ersten Strahl der Morgensonne: Ich zerfiel zu Staub. Glücklicherweise bemerkte das niemand, denn nach Doro drängte sich jetzt der vierte Nachwuchsredakteur ins Zimmer. Mille besaß mehr Haare als Chewbacca und sprach auch ungefähr genauso viel wie das »Star Wars«-Zottelmonster: eher selten. Aber hier sollte Mille ja auch schreiben, nicht reden. Das Reden besorgte ohnehin Wolfgang Mohn.
Wolfgangs minimaler Anspruch für unsere geplante Schülerzeitung war die politische Kampflinie von Georg Büchners »Hessischen Landboten« (»Friede den Hütten! Krieg den Palästen!«), gepaart mit dem kommerziellen Erfolg von Disneys »Lustigen Taschenbüchern«. Die Schülerzeitung wäre Mohns persönliches Zentralorgan, das war uns anderen nach spätestens drei Minuten klar. Sollte er doch, dachte ich. Mir fehlte jede Lust, über die abgehakten Tagungspunkte der letzten Schulsprecherversammlung auf Kreisebene oder die Satzungsänderung in der Elternratsverordnung zu berichten.
»Was möchtest du denn schreiben, Tom?« fragte mich Wolfgang schließlich direkt.
Nichts, wofür ich vorher in langweiligen Versammlungen herumsitzen muss, schoss es mir sofort durch den Sinn.
»Satire. Ein paar Witze reißen. So was in der Art.«
»Bloß nicht schwitzen bei der Arbeit, was?«
Das kam von Doro. Sie grinste süffisant dabei. Durchschaut.
Ich bemühte mich um einen Konter. »Schwitzen kann jeder, das muss ich nicht auch noch. Was willst du denn machen?«
»Kunst. Zeichnungen. Geschichten. Was so anfällt.«
Sie zog die schmalen Schultern hoch, wobei ihr T-Shirt der Bewegung folgte und zwischen dem unteren Rand und ihrer Jeans einen knusprig braunen Bauchstreifen entblößte. Ihr flacher Nabel schien mir verrucht zuzuzwinkern. Die Sommerferien waren erst ein paar Wochen her. Plötzlich schlug vor meinem geistigen Auge der Atlantik Gischt und Wellen, und eine splitternackte Doro lief über weißen Sand. Erst, als ihre Schultern wieder absackten, vor der Peepshow der Vorhang fiel, die Kulisse jäh von Strandpanorama auf ausgestopften Uhu umschnitt und meine Atmung wieder einsetzte, registrierte ich Wolfgang Mohns forschenden Blick. Es war genau die Sorte Blick, die ein Wissenschaftler durchs Mikroskop wirft. Und mal ganz klar, wer hier die Amöbe auf dem Objektträger war...
[[reader-link]]
Ergänzend zu dem Roman »Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte …« hat Jan Schröter ein zweites Buch geschrieben: »Jan Schröters Goldene Schreibregeln«. In diesem Werk lässt er die Leser hinter die Kulissen des professionellen Schreibens und das Leben als Autor blicken, natürlich mit einer satten Portion Humor und höchst unterhaltsam.
© Autorenfoto: Hocky Neubert
Ein augenzwinkernder autobiographischer Roman, der einen tiefen Einblick in das Leben eines Autors bietet.
»Jan Schröter ist ein Spezialist für existentielle Fragen in lockerem Unterhaltungston, und er beantwortet sie mit einem sehr feinen, leisen Humor.« - BRIGITTE
Jan Schröters autobiographischer Schelmenroman - garantiert wahr!
ISBN 9783946312147
Paperback, 320 Seiten
Print-Ausgabe: 16 € (A: 16,50 €)
E-Book: 12,99 €
Hörbuch: 9,99 €
[[reader-link]]
Buch kostenlos hören
E-Book ohne Anmeldung kaufen
Hörbuch ohne Anmeldung kaufen
gedrucktes Buch kaufen

Jan Schröter kennt die Höhen und die Tiefen des Autorendaseins schmerzlich genau. Er arbeitete als Journalist und Kolumnist, schrieb Reiseführer und Kurzgeschichten, massierte die Herzen der Zuschauer mit seinen Drehbüchern für den ZDF-Kultdampfer „Das Traumschiff“ und war jahrelang Stammautor der ARD-Serie „Großstadtrevier“. Bekannt geworden ist er durch seine absurd-komischen Krimis und Romane, in denen er augenzwinkernd und nicht ohne Mitgefühl seine Figuren ins Chaos stürzt.
Autorenportrait von Jan Schröter
LESERPROBE
Schreiben kann das Leben kosten.
Manchmal genügt schon eine Literaturverfilmung, um sich buchstäblich um Kopf und Kragen zu bringen, ganz zu schweigen vom Rest des Leibes. Ausgesprochen ärgerlich, wenn man erst 18 Jahre alt ist und demnach nicht nach langem, erfülltem Dasein stirbt. Nicht mal ansatzweise auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Eher im Gegenteil.
Im Spätsommer 1977 begann das sinnloseste Schuljahr meines Lebens. Beinahe wäre es mein letztes Jahr überhaupt gewesen. Fast hätte mich mein Deutschlehrer umgebracht.
Aber der Reihe nach.
Ich war 18, trug seit dem letzten Sommerurlaub in Frankreich Vollbart und Baskenmütze und schleppte meist eine knallgelbe Reiseschreibmaschine mit mir herum, deren Buchstabentypen sich dramatisch oft zu bizarren Bündeln verklemmten, wenn ich im dilettantischen Zwei-Finger-System darauf herumhackte. Die Maschine war ein Weihnachtsgeschenk meiner Eltern, ausgewählt vermutlich in der sonnigen Hoffnung, sie würde mich bei den Schularbeiten beflügeln. Stattdessen benutzte ich sie ausschließlich, um damit im Fokus der Öffentlichkeit – Café, Einkaufszentrum, Pausenhalle, Oberstufenraum – herumzusitzen und allein schon durch meinen bloßen Anblick Aufmerksamkeit zu erregen. Ich sah aus wie ein Abziehbild von Hemingway.
Meist schrieb ich vermeintlich tiefsinnige Aphorismen oder anderes krudes Zeug. Es musste einfach genial sein, weil die Inszenierung stimmte. Kleine Jungs kaufen sich ein Trikot ihres Fußballidols und fühlen sich darin wie ein Weltmeister. Mit Baskenmütze, Vollbart und Reiseschreibmaschine ging es mir sogar als Achtzehnjähriger noch vergleichbar. Ich fühlte mich dem Literaturnobelpreis ganz nah. Hatte ich nicht alles, was ein zukünftiger Starautor benötigte? Mein erster Roman würde einschlagen wie eine Bombe.
Allerdings gab es ein Problem. Mir fiel partout keine Romangeschichte ein – trotz Vollbart, Baskenmütze und Schreibmaschine. Das fand ich ziemlich gemein, leider gab es niemanden, der diesbezüglich Beschwerden annahm. Ich hätte es ohnehin nie zugegeben, dass mir nichts einfiel. Immerhin schrieb ich gutbenotete Schulaufsätze in Serie, da konnte so ein popeliger Bestsellerroman doch keine Hürde sein, also wirklich! Ich gab unverdrossen weiterhin Hemingways Abziehbild, bis mich irgendwann Bert Wagner, mein Deutschlehrer, ansprach: Es gäbe ein paar Leute, die eine Schülerzeitung gründen wollten – ob ich vielleicht …?
Bert Wagner, mein Deutschlehrer, würde mich wenig später um ein Haar umbringen, aber das ahnten wir in diesem Moment nicht.
Also Schülerzeitung, warum nicht. Das schien mir ein Anfang zu sein. Nicht annähernd so schwierig wie sich selbst einzureden, die Realisierung des großen Romans scheitere bloß an den andauernd verklemmten Buchstabentypen meiner gelben Reiseschreibmaschine. Vielleicht, dachte ich, gäbe mir die Schule so etwas von diesem verlorenen Jahr zurück, das ich gerade erlitt.
Bis in die gymnasiale Oberstufe hatte ich mich durchgewurstelt. Deutsch, Geschichte, Politik, da setzte ich meine Glanzlichter. Es war der Ausgleich für die ungeliebten Naturwissenschaften, zwei Fünfen im Zeugnis, in Mathe und Physik, ließen sich auf diese Weise straflos kompensieren. Mehr als einmal kreiste das Abstiegsgespenst über mir, aber ich kriegte es jedes Mal hin, auch nach prekärsten Halbjahreszeugnissen (»Eine Versetzung scheint zum jetzigen Zeitpunkt ausgeschlossen«) im energischen Schlussspurt zwischen Ostern und Sommerferien noch das Klassenziel zu erreichen (»Tom wird versetzt nach Klasse …«). Dann, nach dem ersten Jahr Oberstufe, erwischte es mich zusätzlich im Fach Chemie. Drei Fünfen ließen sich nicht ausgleichen, das war Gesetz.
Für mich hieß es: Ehrenrunde, zurück auf Los. Legionen frustrierter Mathematiklehrer müssen sich die Hände gerieben haben.
Und während meine sämtlichen Freunde, meine langjährige On/Off-Beziehung Martina und praktisch jeder mir vertraute Schulgefährte nach der Abiturprüfung ins Leben hinaus flatterte und hinter dem Horizont verschwand, trat ich nach den Sommerferien 1977 mein letztes Schuljahr am Gymnasium Müssenredder in Hamburg-Poppenbüttel an. Das sinnloseste Schuljahr meines Lebens, wie gesagt. In Chemie hatte ich mich wieder auf eine Vier gewürgt, ansonsten blieb alles beim Alten: Mathe Fünf, Physik Fünf. Deutsch, Geschichte, Politik die reine Wonne. In letzteren Fächern war ich schon vorher gut, für Mathe und Physik blieb ich verloren. Wozu also das Jahr nachsitzen? Obwohl mir noch jeder Zukunftsplan fehlte: Ich würde niemals im späteren Leben einen naturwissenschaftlichen Beruf ergreifen, das wusste ich seit der Grundschule.
Meine Lehrer wussten das auch.
»Tom Schröder«, pflegte einer meiner Mathelehrer zu mahnen, »du bist offensichtlich nicht für die Mathematik geschaffen, doch sogar du wirst nicht ohne sie leben können!« Für mich besaß Mathematik zu viele undurchschaubare Regeln. Ich war mehr für kreative Lösungen. Mathe, das war kalter Kaffee. Etwas für pickelige Technokraten, die sich die Hose mit der Kneifzange anzogen. Schreiben, das war das Ding. Geschichten erfinden, in denen sich Leser verlieren, wiederentdecken, in Abgründe blicken und Gipfel erklimmen.
Also Schülerzeitung.
Die zukünftige Redaktion traf sich erstmals an einem Dienstag nach dem Schulunterricht. Bert Wagner hatte die Räumlichkeit vermittelt, einen vollgerümpelten Nebenraum der Biologie-Sammlung. Als ich eintrat, entdeckte ich zunächst nur einen ausgestopften Riesen-Uhu. Er kauerte auf einem armdicken Ast, der wiederum aus einem hölzernen Podest ragte. Podest, Ast und Uhu standen auf einem langen Tisch und sahen irgendwie verloren aus.
»Hallo. Super, dass du mit dabei bist.«
Das Gesicht eines dunkelhaarigen, schmalbrüstigen Jungen tauchte plötzlich hinter dem Vogelpräparat auf und lächelte mir entgegen. Sein Lächeln erinnerte an den Uhu – es wirkte irgendwie verloren. Immerhin war er offensichtlich nicht ausgestopft.
»Ja. Mal sehen«, entgegnete ich lauwarm.
Er kam um den Tisch herum auf mich zu. Wache, braune Augen hinter einer randlosen John-Lennon-Brille. Ein milchgesichtiger Groucho Marx ohne Schnurrbart.
»Ich bin Wolfgang.« Er streckte mir seine Hand entgegen.
Ich wusste, wer er war. Wolfgang Mohn, seit kurzem Schulsprecher – ein Amt, für das sich an dieser Schule selten jemand aufdrängte und von dessen Vertretern man normalerweise noch seltener irgendwelche Anzeichen von Aktivität registrierte. Mohn hatte es geschafft, innerhalb der kurzen Spanne seines Wirkens die Schülerschaft mit einer derartigen Fülle von Anträgen und Abstimmungen zu bombardieren, dass alle nur noch genervt von ihm waren. Er rechtfertigte
diesen Aktionismus mit einer flammenden Grundsatzkundgebung, ausgehängt als Wandzeitung in der Pausenhalle, in der er sich prinzipiell dem Plebiszit sowie dem imperativen Mandat verpflichtet erklärte. Und dergleichen Zeug. Kaum jemand verstand, was er meinte, 1977 ließen sich solche Ausdrücke nicht mal so eben googeln. Das Wahlvolk hätte ihn gern zum Teufel gejagt, aber dann hätte man ein neues Opfer für den Schulsprecherposten suchen müssen. Also ertrug man Wolfgang Mohn und ließ ihn machen.
»Ich weiß. Der Schulsprecher.«
Ich ließ mich auf den angebotenen Händedruck ein. Wolfgang Mohn drückte forsch zu und konversierte munter weiter, ganz jovialer Politprofi.
»Und du bist Tom, richtig? Der Typ mit der gelben Schreibmaschine …«
»Ist mein Zwillingsbruder«, behauptete ich todernst. »Ich bin der mit der roten Schreibmaschine.«
»Echt?« Die braunen Augen blinzelten irritiert.
»Lass dich nicht vom Schröder verarschen. Den Kerl gibt’s nur einmal. Zum Glück.«
Hinter uns schob sich ein Mädchen zur Tür herein. Schmal, feingliedrig, mit glatter, dunkler Mähne, die ihr tief ins Gesicht hing und ihrem Ausdruck etwas Verhuschtes verlieh. Man hätte sie auf den ersten Blick glatt noch für eine Zwölfjährige halten können. Aber das wusste ich besser.
»In der Tat, Doro. Mit zweien von meiner Sorte wärst du niemals fertig geworden.«
Sie kicherte. Es klang wie Katzenschnurren. Nach der Mahlzeit.
»Ich bin also mit dir fertig geworden?«
»Bewahre!« Ich rang dramatisch die Hände. »Dann wären wir ja fertig miteinander. Das wäre doch schade …«
»Findest du?«
Ihr perfekt getimter Augenaufschlag vernichtete endgültig jede Illusion, eine Zwölfjährige vor sich zu haben. Die Metamorphose von kindlicher Albernheit zu erwachsenem Ernst, die Doro Gehrke jederzeit ansatzlos vollziehen konnte, verunsicherte mich zutiefst. Und auf Verunsicherung reagierte ich, dessen Persönlichkeitsbildung noch nicht über das Hemingway-Abziehbild herausgewachsen war, wie ein Vampir auf den ersten Strahl der Morgensonne: Ich zerfiel zu Staub. Glücklicherweise bemerkte das niemand, denn nach Doro drängte sich jetzt der vierte Nachwuchsredakteur ins Zimmer. Mille besaß mehr Haare als Chewbacca und sprach auch ungefähr genauso viel wie das »Star Wars«-Zottelmonster: eher selten. Aber hier sollte Mille ja auch schreiben, nicht reden. Das Reden besorgte ohnehin Wolfgang Mohn.
Wolfgangs minimaler Anspruch für unsere geplante Schülerzeitung war die politische Kampflinie von Georg Büchners »Hessischen Landboten« (»Friede den Hütten! Krieg den Palästen!«), gepaart mit dem kommerziellen Erfolg von Disneys »Lustigen Taschenbüchern«. Die Schülerzeitung wäre Mohns persönliches Zentralorgan, das war uns anderen nach spätestens drei Minuten klar. Sollte er doch, dachte ich. Mir fehlte jede Lust, über die abgehakten Tagungspunkte der letzten Schulsprecherversammlung auf Kreisebene oder die Satzungsänderung in der Elternratsverordnung zu berichten.
»Was möchtest du denn schreiben, Tom?« fragte mich Wolfgang schließlich direkt.
Nichts, wofür ich vorher in langweiligen Versammlungen herumsitzen muss, schoss es mir sofort durch den Sinn.
»Satire. Ein paar Witze reißen. So was in der Art.«
»Bloß nicht schwitzen bei der Arbeit, was?«
Das kam von Doro. Sie grinste süffisant dabei. Durchschaut.
Ich bemühte mich um einen Konter. »Schwitzen kann jeder, das muss ich nicht auch noch. Was willst du denn machen?«
»Kunst. Zeichnungen. Geschichten. Was so anfällt.«
Sie zog die schmalen Schultern hoch, wobei ihr T-Shirt der Bewegung folgte und zwischen dem unteren Rand und ihrer Jeans einen knusprig braunen Bauchstreifen entblößte. Ihr flacher Nabel schien mir verrucht zuzuzwinkern. Die Sommerferien waren erst ein paar Wochen her. Plötzlich schlug vor meinem geistigen Auge der Atlantik Gischt und Wellen, und eine splitternackte Doro lief über weißen Sand. Erst, als ihre Schultern wieder absackten, vor der Peepshow der Vorhang fiel, die Kulisse jäh von Strandpanorama auf ausgestopften Uhu umschnitt und meine Atmung wieder einsetzte, registrierte ich Wolfgang Mohns forschenden Blick. Es war genau die Sorte Blick, die ein Wissenschaftler durchs Mikroskop wirft. Und mal ganz klar, wer hier die Amöbe auf dem Objektträger war...
[[reader-link]]
Buch kostenlos hören
Ergänzend zu dem Roman »Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte …« hat Jan Schröter ein zweites Buch geschrieben: »Jan Schröters Goldene Schreibregeln«. In diesem Werk lässt er die Leser hinter die Kulissen des professionellen Schreibens und das Leben als Autor blicken, natürlich mit einer satten Portion Humor und höchst unterhaltsam.
© Autorenfoto: Hocky Neubert
weiterlesen
Schreibregel der Woche

© Autorenfoto: Hocky Neubert
Nach der ersten Idee gerät eine selbsterfundene Geschichte bald ins Rollen. Man denkt, plant, entwickelt und wähnt sich schon mit dem Projekt am Ziel – bis es plötzlich irgendwo hakt...
Geschichten erfinden ist wie Schach spielen nach eigenen Regeln. Läuft die Partie schlecht, stelle die Figuren anders auf.
von Jan Schröter
© Autorenfoto: Hocky Neubert
Nach der ersten Idee gerät eine selbsterfundene Geschichte bald ins Rollen. Man denkt, plant, entwickelt und wähnt sich schon mit dem Projekt am Ziel – bis es plötzlich irgendwo hakt...
Man entdeckt vielleicht einen Knick in der Logik des Ganzen. Eventuell stimmen die Zeitabläufe nicht. Oder eine Figur kann gar nicht
an einem bestimmten Ort auftauchen, weil Sie sie gerade woanders
brauchen. Das sind Schwierigkeiten, die sich mit etwas „Gefummel“ meist
leicht lösen lassen.
Viel grundsätzlicher ist das Problem, wenn sich das nagende Gefühl einstellt, die ganze Geschichte rutscht ins Banale ab und erweckt keine Emotionen. Das liegt überraschend oft an den Figuren, die diese Geschichte eigentlich tragen sollen. Sollten Sie also Ihr Werk plötzlich blutleer und langweilig finden, nehmen Sie sich nochmal diese Figuren vor. Überprüfen Sie, ob folgende Kriterien klar genug herausgearbeitet sind:– Ziel der Figur. Was will sie erreichen, was treibt sie an?
– Menschentyp. Wie sieht die Figur das Leben und die Welt? – optimistisch, zynisch, religiös bestimmt …
– Haltung. Wie ist die Figur? – tatkräftig, risikofreudig, zögerlich, um Ausgleich bemüht, gewaltbereit …
– Veränderung. In welcher Hinsicht verändert und entwickelt sich die Figur im Handlungsverlauf?
Verpassen Sie Ihren Figuren eine eigene Biographie, indem Sie für jeden Charakter (zumindest für die, die in Ihrer Geschichte bedeutend sind) eine Datei oder Karteikarte anlegen, auf der alles Wichtige zur Person vermerkt ist.
Das können durchaus Dinge sein, die in der eigentlich erzählten Geschichte gar keine unmittelbare Rolle spielen. Alles, was Sie über diese kopfgeborene Person wissen, macht sie vielschichtiger, unverwechselbarer und damit interessanter. Und dann können Sie auch viel lebendiger über sie schreiben.
Wie so eine Figuren-Charakterisierung aussehen könnte, möchte ich anhand eines Beispiels aus meinem eigenen Bestand zeigen.
In meinem Roman „Mogelpackung“ muss ein etwas chaotischer Onkel namens Fredo seinen Neffen Tim und die Nichte Karla im elternverwaisten Haushalt behüten. Bevor ich mit dem Schreiben des Romans begann, bekamen die Hauptfiguren ihre Biographien. Hier ist die des Neffen:
„Tim Fried (14 Jahre)
geht in die 9. Klasse, und es ist ziemlich unklar, ob er es in die 10. schaffen wird. Seine Kindheit ist vorbei, das spürt er – allerdings fehlt ihm fürs ‚danach‘ völlig der Plan. Die tiefe Verunsicherung über diesen Zustand überspielt er mit scheinbar klarer Kante. Oder, falls ihm wirklich kein Spruch einfällt, mit nahezu autistischem Rückzug.
Tim ist rund um die Uhr damit beschäftigt, allen und jedem zu beweisen, dass er niemanden braucht. Vor allem sich selbst will er das beweisen. Tim glaubt, auf diese Weise lässt sich sein Einsamkeitsproblem lösen: Denn wer niemanden braucht und alles mit sich selbst abmacht, hat kein Problem damit, einsam zu sein. Dass dieses Verhalten erst recht einsam macht und somit problemverschärfend wirkt, begreift Tim erst, als es fast zu spät ist.
Aussehen: Tim ist 167 cm groß, er wiegt 50 Kilo. Teenagerübliches Futterverhalten (Junkfood, nächtliche Fressattacken). Brillenträger. Leider nicht so sportlich, wie er gerne wäre. Er wirkt motorisch manchmal leicht unkoordiniert und linkisch, was öfter zu kleineren Peinlichkeiten führt (z.B. wenn er mal ein volles Glas umhaut oder ungeschickt fallen lässt) – das führt dann seine coole Attitüde sofort ad absurdum.
Freunde: Viele hat Tim nicht – er braucht ja niemanden (wie er sich einredet). Eigentlich ist da nur einer: Philip „Fips“ Holtenau (14). Bei Fips scheint die Pubertät nicht einzusetzen, er ist noch völlig in kindlichen Strukturen verhaftet und will vom Leben nur Spiel und Süßigkeiten. Mädchen sind für ihn überhaupt kein Thema, für ein Micky-Maus-Heft ließe er jeden PLAYBOY liegen. Fips ist für Tim ein Relikt aus Grundschulzeiten, irgendwie übrig geblieben, weil Fips eine treue Seele ist und sich von Tims abweisender Coolness nicht beirren lässt.
Tims Haltung zu Fredo: Nach Abreise seiner Eltern wäre Tim lieber alleine geblieben. Er ist überzeugt, wenn seine Eltern zurückkehren, ist es zwischen denen sowieso aus und er ist auf sich allein gestellt. Onkel Fredo, der auf ihn aufpassen soll, ist von Tim unerwünscht. Dass Fredo so viele Probleme hat und das auch zeigt, findet Tim anfangs ziemlich lächerlich. Was für ein Waschlappen, den kann man als Mann nicht für voll nehmen! Gelingt es Fredo doch mal, in Tims Ablehnung eine Bresche zu schlagen, geht bald wieder alles in die Binsen, wenn Fredo sich gezwungen sieht, die Respektsperson zu geben – die er nun mal nicht ist.
Fast zu spät erkennt Tim, dass Fredo ihm wirklich helfen möchte. Und zwar nicht, weil Fredo sich dazu als Onkel und Aufsichtsperson verpflichtet fühlt – sondern weil er Tim tatsächlich versteht. Tim lernt, dass es nicht nur die Aggregatzustände ‚Kind‘ und ‚Erwachsen‘ gibt, sondern eine Menge dazwischen – mit fließenden Übergängen.“
So kann eine Figurencharakterisierung beispielsweise aussehen. Man kann auch Tabellen anlegen oder Beziehungsgeflechte im Diagramm darstellen, jeder macht es, wie es beliebt. Normalerweise bekommt sowieso nur die Autorin oder der Autor selbst diese Arbeitsnotiz zu Gesicht, weshalb sie auch gern aus Stichwörtern oder Piktogrammen bestehen darf. Hauptsache, Sie verfügen für sich über eine Gedächtnisstütze, die Ihnen jederzeit Zugriff auf die Persönlichkeit Ihrer Romanfigur ermöglicht.
Wahrscheinlich fallen Ihnen beim Schreiben der Geschichte weitere Details zur Figur ein. Dann ergänzen oder verändern Sie deren Biographie besser gleich dementsprechend, damit sie aktuell bleibt. Ich bewahre die vorige Fassung trotzdem immer noch auf, damit ich notfalls darauf zurückgreifen kann. Die „Tim“-Biographie oben war die erste von dreien. Im Roman entfiel beispielsweise der hier noch angetextete Freund „Fips“ Holtenau komplett zugunsten eines anderen Charakters, der besser in die Handlung passt.
Denn wenn eine Geschichte nicht gut läuft, hilft es manchmal, Figuren auszutauschen. Oder bestimmte Merkmale: Statt eines Mannes in derselben Rolle eine Frau erzählen – das könnte schon ein geeigneter Dreh sein. Und stellen Sie sich mal einen Miss-Marple-Film vor, in der die Rolle der Miss Marple von einer sportlich-attraktiven Mittzwanzigerin gespielt wird.
Funktioniert nicht so gut?
Also statt der Mittzwanzigerin rasch eine schrullige Alte in die Rolle stecken, schon ist die Sache wieder originell und komisch.
Es ist Ihre Geschichte und damit Ihre Partie. Sie stellen die Figuren auf. Und dürfen Sie formen und verschieben, bis es passt. Im wirklichen Leben ist dies einem nie vergönnt.
Ist Schreiben nicht wunderbar?
Diese Regel stammt aus dem Tatort-Schreibtisch-Buch:
Jan Schröters "Goldene Schreibregeln" - 22 Tipps für Autoren und alle, die es werden wollen

Die Mailadresse lautet
Mehr Infos über das Buch "Goldene Schreibregeln"
E-Book ohne Anmeldung kaufen
Autorenportrait von Jan Schröter
© Autorenfoto: Hocky Neubert
Viel grundsätzlicher ist das Problem, wenn sich das nagende Gefühl einstellt, die ganze Geschichte rutscht ins Banale ab und erweckt keine Emotionen. Das liegt überraschend oft an den Figuren, die diese Geschichte eigentlich tragen sollen. Sollten Sie also Ihr Werk plötzlich blutleer und langweilig finden, nehmen Sie sich nochmal diese Figuren vor. Überprüfen Sie, ob folgende Kriterien klar genug herausgearbeitet sind:– Ziel der Figur. Was will sie erreichen, was treibt sie an?
– Menschentyp. Wie sieht die Figur das Leben und die Welt? – optimistisch, zynisch, religiös bestimmt …
– Haltung. Wie ist die Figur? – tatkräftig, risikofreudig, zögerlich, um Ausgleich bemüht, gewaltbereit …
– Veränderung. In welcher Hinsicht verändert und entwickelt sich die Figur im Handlungsverlauf?
Verpassen Sie Ihren Figuren eine eigene Biographie, indem Sie für jeden Charakter (zumindest für die, die in Ihrer Geschichte bedeutend sind) eine Datei oder Karteikarte anlegen, auf der alles Wichtige zur Person vermerkt ist.
Das können durchaus Dinge sein, die in der eigentlich erzählten Geschichte gar keine unmittelbare Rolle spielen. Alles, was Sie über diese kopfgeborene Person wissen, macht sie vielschichtiger, unverwechselbarer und damit interessanter. Und dann können Sie auch viel lebendiger über sie schreiben.
Wie so eine Figuren-Charakterisierung aussehen könnte, möchte ich anhand eines Beispiels aus meinem eigenen Bestand zeigen.
In meinem Roman „Mogelpackung“ muss ein etwas chaotischer Onkel namens Fredo seinen Neffen Tim und die Nichte Karla im elternverwaisten Haushalt behüten. Bevor ich mit dem Schreiben des Romans begann, bekamen die Hauptfiguren ihre Biographien. Hier ist die des Neffen:
„Tim Fried (14 Jahre)
geht in die 9. Klasse, und es ist ziemlich unklar, ob er es in die 10. schaffen wird. Seine Kindheit ist vorbei, das spürt er – allerdings fehlt ihm fürs ‚danach‘ völlig der Plan. Die tiefe Verunsicherung über diesen Zustand überspielt er mit scheinbar klarer Kante. Oder, falls ihm wirklich kein Spruch einfällt, mit nahezu autistischem Rückzug.
Tim ist rund um die Uhr damit beschäftigt, allen und jedem zu beweisen, dass er niemanden braucht. Vor allem sich selbst will er das beweisen. Tim glaubt, auf diese Weise lässt sich sein Einsamkeitsproblem lösen: Denn wer niemanden braucht und alles mit sich selbst abmacht, hat kein Problem damit, einsam zu sein. Dass dieses Verhalten erst recht einsam macht und somit problemverschärfend wirkt, begreift Tim erst, als es fast zu spät ist.
Aussehen: Tim ist 167 cm groß, er wiegt 50 Kilo. Teenagerübliches Futterverhalten (Junkfood, nächtliche Fressattacken). Brillenträger. Leider nicht so sportlich, wie er gerne wäre. Er wirkt motorisch manchmal leicht unkoordiniert und linkisch, was öfter zu kleineren Peinlichkeiten führt (z.B. wenn er mal ein volles Glas umhaut oder ungeschickt fallen lässt) – das führt dann seine coole Attitüde sofort ad absurdum.
Freunde: Viele hat Tim nicht – er braucht ja niemanden (wie er sich einredet). Eigentlich ist da nur einer: Philip „Fips“ Holtenau (14). Bei Fips scheint die Pubertät nicht einzusetzen, er ist noch völlig in kindlichen Strukturen verhaftet und will vom Leben nur Spiel und Süßigkeiten. Mädchen sind für ihn überhaupt kein Thema, für ein Micky-Maus-Heft ließe er jeden PLAYBOY liegen. Fips ist für Tim ein Relikt aus Grundschulzeiten, irgendwie übrig geblieben, weil Fips eine treue Seele ist und sich von Tims abweisender Coolness nicht beirren lässt.
Tims Haltung zu Fredo: Nach Abreise seiner Eltern wäre Tim lieber alleine geblieben. Er ist überzeugt, wenn seine Eltern zurückkehren, ist es zwischen denen sowieso aus und er ist auf sich allein gestellt. Onkel Fredo, der auf ihn aufpassen soll, ist von Tim unerwünscht. Dass Fredo so viele Probleme hat und das auch zeigt, findet Tim anfangs ziemlich lächerlich. Was für ein Waschlappen, den kann man als Mann nicht für voll nehmen! Gelingt es Fredo doch mal, in Tims Ablehnung eine Bresche zu schlagen, geht bald wieder alles in die Binsen, wenn Fredo sich gezwungen sieht, die Respektsperson zu geben – die er nun mal nicht ist.
Fast zu spät erkennt Tim, dass Fredo ihm wirklich helfen möchte. Und zwar nicht, weil Fredo sich dazu als Onkel und Aufsichtsperson verpflichtet fühlt – sondern weil er Tim tatsächlich versteht. Tim lernt, dass es nicht nur die Aggregatzustände ‚Kind‘ und ‚Erwachsen‘ gibt, sondern eine Menge dazwischen – mit fließenden Übergängen.“
So kann eine Figurencharakterisierung beispielsweise aussehen. Man kann auch Tabellen anlegen oder Beziehungsgeflechte im Diagramm darstellen, jeder macht es, wie es beliebt. Normalerweise bekommt sowieso nur die Autorin oder der Autor selbst diese Arbeitsnotiz zu Gesicht, weshalb sie auch gern aus Stichwörtern oder Piktogrammen bestehen darf. Hauptsache, Sie verfügen für sich über eine Gedächtnisstütze, die Ihnen jederzeit Zugriff auf die Persönlichkeit Ihrer Romanfigur ermöglicht.
Wahrscheinlich fallen Ihnen beim Schreiben der Geschichte weitere Details zur Figur ein. Dann ergänzen oder verändern Sie deren Biographie besser gleich dementsprechend, damit sie aktuell bleibt. Ich bewahre die vorige Fassung trotzdem immer noch auf, damit ich notfalls darauf zurückgreifen kann. Die „Tim“-Biographie oben war die erste von dreien. Im Roman entfiel beispielsweise der hier noch angetextete Freund „Fips“ Holtenau komplett zugunsten eines anderen Charakters, der besser in die Handlung passt.
Denn wenn eine Geschichte nicht gut läuft, hilft es manchmal, Figuren auszutauschen. Oder bestimmte Merkmale: Statt eines Mannes in derselben Rolle eine Frau erzählen – das könnte schon ein geeigneter Dreh sein. Und stellen Sie sich mal einen Miss-Marple-Film vor, in der die Rolle der Miss Marple von einer sportlich-attraktiven Mittzwanzigerin gespielt wird.
Funktioniert nicht so gut?
Also statt der Mittzwanzigerin rasch eine schrullige Alte in die Rolle stecken, schon ist die Sache wieder originell und komisch.
Es ist Ihre Geschichte und damit Ihre Partie. Sie stellen die Figuren auf. Und dürfen Sie formen und verschieben, bis es passt. Im wirklichen Leben ist dies einem nie vergönnt.
Ist Schreiben nicht wunderbar?
Diese Regel stammt aus dem Tatort-Schreibtisch-Buch:
Jan Schröters "Goldene Schreibregeln" - 22 Tipps für Autoren und alle, die es werden wollen

Wenn Sie das Buch bestellen möchten, schicken wir Ihnen das Buch versandkostenfrei zu.
Mailen
Sie uns einfach Ihre Bestellung zusammen mit Ihrer Anschrift und Ihrer
Kontoverbindung (IBAN) zu, wir buchen den Rechnungsbetrag von Ihrem
Konto ab. Alternativ bekommen Sie von uns eine Rechnung, damit Sie uns
den Betrag überweisen können.
E-Book ohne Anmeldung kaufen
Autorenportrait von Jan Schröter
© Autorenfoto: Hocky Neubert
weiterlesen
Autoren live: Tatort-Schreibtisch-Hörbuch der Woche
Peter Godazgar: "Der tut nix, der will bloß morden!"
Ein Einbrecher mit Hexenschuss, ein fanatischer Toilettenpapiersammler, zwei Dumpfbacken, die eine Sex-Hotline für Damen mit gehobenem Anspruch eröffnen: Es sind, gelinde gesagt, etwas schräge Typen, die Peter Godazgars Short Stories bevölkern...
Die meisten Akteure führen nichts Böses im Schilde, wie etwa Manni Schibulski, der größte Udo-Lindenberg-Fan der Welt, der einfach nur in Ruhe den Geburtstag seines Stars feiern möchte. Oder Helga, die Politesse, die in ihrem Eifer nicht merkt, dass es eben keine ganz normalen Falschparker sind, mit denen sie sich da anlegt. Allesamt verträgliche Typen, die wirklich niemandem etwas tun. Eigentlich. Man darf sie nur nicht ärgern …
Die Stories von Peter Godazgar gehören zum Lustigsten, was die deutsche Krimiszene zu bieten hat. Vom Autor gelesen, sind sie noch lustiger!
ISBN 9783946312376
Hörbuch zum Download: 9,99 €
Hörbuch ohne Anmeldung kaufen

Peter Godazgar, Jahrgang 1967, wuchs am Niederrhein auf, studierte in Aachen, ging als Journalist in den Osten Deutschlands und ist derzeit Redakteur und Redenschreiber in der Pressestelle der Stadt Halle (Saale). Seine mörderischen Phantasien abseits seines Tagewerks verarbeitet er in bösen Kriminalromanen. Bekannt geworden ist er durch seine rabenschwarzen und sehr komischen Krimigeschichten, in denen er mit einem untrüglichen Sinn für groteske Pointen seine Figuren von einem Fettnapf zum nächsten führt. 2017 wurde er mit einer dieser Geschichten für den renommierten Friedrich-Glauser-Preis nominiert.
„Tatort Schreibtisch - Autoren live“ ist eine Hörbuch-Reihe, in der renommierte und beliebte Schriftstellerinnen und Schriftsteller ihre eigenen Bücher vorstellen. Jeden Monat erscheint ein Roman, ungekürzt und wie bei einer Autoren-Lesung vom Autor selbst eingesprochen. Das ist für Fans eine Chance, ihre Lieblingsautoren ganz neu kennenzulernen, und für alle anderen eine gute Gelegenheit, neue und besondere Autoren zu entdecken.
Die Stories von Peter Godazgar gehören zum Lustigsten, was die deutsche Krimiszene zu bieten hat. Vom Autor gelesen, sind sie noch lustiger!
ISBN 9783946312376
Hörbuch zum Download: 9,99 €
Buch kostenlos hören
Hörbuch ohne Anmeldung kaufen

Peter Godazgar, Jahrgang 1967, wuchs am Niederrhein auf, studierte in Aachen, ging als Journalist in den Osten Deutschlands und ist derzeit Redakteur und Redenschreiber in der Pressestelle der Stadt Halle (Saale). Seine mörderischen Phantasien abseits seines Tagewerks verarbeitet er in bösen Kriminalromanen. Bekannt geworden ist er durch seine rabenschwarzen und sehr komischen Krimigeschichten, in denen er mit einem untrüglichen Sinn für groteske Pointen seine Figuren von einem Fettnapf zum nächsten führt. 2017 wurde er mit einer dieser Geschichten für den renommierten Friedrich-Glauser-Preis nominiert.
„Tatort Schreibtisch - Autoren live“ ist eine Hörbuch-Reihe, in der renommierte und beliebte Schriftstellerinnen und Schriftsteller ihre eigenen Bücher vorstellen. Jeden Monat erscheint ein Roman, ungekürzt und wie bei einer Autoren-Lesung vom Autor selbst eingesprochen. Das ist für Fans eine Chance, ihre Lieblingsautoren ganz neu kennenzulernen, und für alle anderen eine gute Gelegenheit, neue und besondere Autoren zu entdecken.
weiterlesen
Tatort-Schreibtisch-Autor der Woche
Ich kenne Jan Schröter seit vielen Jahren. Das erste Mal sind wir uns im Studio Hamburg begegnet, bei einem Treffen der Drehbuchautoren der Serie "Großstadtrevier". Ich traf auf einen freundlichen Gesprächspartner, zurückhaltend und sehr höflich, das perfekte Klischeebild eines Autoren, der am Schreibtisch mehr Abenteuer erlebt denn im wirklichen Leben.
Wie konnte ich mich nur so täuschen!
Jan Schröters Leben, so durfte ich bald erfahren, ist prall gefüllt mit Geschichten, die für mehrere Winter am Kamin reichen...
Jan Schröter: Sprache muss "gut schmecken"!
Ein Autorenportrait von Markus StromiedelIch kenne Jan Schröter seit vielen Jahren. Das erste Mal sind wir uns im Studio Hamburg begegnet, bei einem Treffen der Drehbuchautoren der Serie "Großstadtrevier". Ich traf auf einen freundlichen Gesprächspartner, zurückhaltend und sehr höflich, das perfekte Klischeebild eines Autoren, der am Schreibtisch mehr Abenteuer erlebt denn im wirklichen Leben.
Wie konnte ich mich nur so täuschen!
Jan Schröters Leben, so durfte ich bald erfahren, ist prall gefüllt mit Geschichten, die für mehrere Winter am Kamin reichen...
Bis
heute frage ich mich, warum dieser Mensch so viel Erstaunliches erlebt hat. Zieht er absurde Abenteuer an? Oder liegt es daran, dass er sich auf Dinge einlässt, die jeder andere vernünftige Mensch nicht tun würde?
Zum Beispiel die Lesereise nach Weißrussland, von der Jan in seinem sehr amüsanten Ratgeber "Goldene Schreibregeln" berichtet. 16 Stunden Zugfahrt plus eine Stunde Grenzkontrolle - alle seriösen Autoren hatten die Einladung nach Belarus ausgeschlagen. Aber nicht Jan. In der ungeheizten Bibliothek von Brest begleitete ein gelehrter Übersetzer die frostklirrende Lesungsveranstaltung, ein "professoraler Sauertopf mit verkniffener Miene", der schon vor Beginn des Abends nach der Katharsis in Jans tragischkomischen Roman "Rettungsringe" fragte. "Ich fand nicht mal die Zeit zum Googeln," schreibt Jan, "schon deckte er mich mit einem Trommelfeuer literaturtheoretischer Thesen ein. Man raunte mir zu, der Mann habe sich als Übersetzer gehobener deutscher Literatur einen Namen gemacht, Spezialgebiet Heinrich Heine. Falls Sie meine Romane noch nicht kennen … also, ich bin stolz darauf, was ich geschrieben habe. Aber es ist nicht Heine, gebe ich zu."
Gehobene Literaturtheorie und Jan Schröters heitere Texte - weiter entfernt, so scheint es, können zwei Pole nicht sein.
Und dennoch hat der russische Übersetzer Jan auf eine wunderbare Weise gelobt: Auch wenn er Unterhaltungsliteratur ablehne, habe ihm das Buch trotzdem gefallen: weil es "gut schmecke und Bilder male".
Und das trifft es genau. Jans Romane "schmecken" einfach hervorragend, es sind sehr sorgfältig gemalte Portraits von Verlierern, die auf die Gewinnerstraße wechseln wollen, von sympathischen Loosern, die nicht aufgeben, obwohl die Welt da draußen nicht nett zu ihnen ist. Jan schreibt Figuren, die man in den Arm nehmen und dann kräftig schütteln möchte, damit sie endlich aufwachen, aber das Schütteln lässt man bald, denn man merkt schnell, dass Jan mit seinen Figuren in seinen Büchern einiges vorhat und sie lernen lässt, und ziemlich oft wandelt sich vieles zum Guten. Es sind Bücher zum Wohlfühlen, sehr komisch und manchmal auch ein bisschen traurig, gerade in dem Maß, dass Tiefe entsteht, wo andere Bücher oberflächlich bleiben und zu glatt, zu beliebig werden.
Der russische Übersetzer hat es genau erfasst: Das Besondere dabei ist Jans präzise Sprache, die vom Autoren elegant und zugleich unprätentiös eingesetzt wird. Jan Schröter hat es nicht nötig, sich zu inszenieren oder größer zu tun, er muss nichts aufblasen, denn er steht zu seiner Arbeit und zu seinem Wunsch, seine Leser und Leserinnen zu unterhalten. Und er wird mit jedem Buch besser: Gerade in seinen jüngeren Romanen kommt Jan immer dichter an seine Figuren heran, ohne seinen Humor zu verlieren. Das ist große Kunst, auch wenn Jan das jetzt abstreiten würde: Er mache doch nur seine Arbeit, er wolle einfach nur unterhalten.
In der Tat: Jan Schröter würde sich selbst niemals als Künstler bezeichnen. Er blickt pragmatisch aufs Leben. Das zeigt auch seine Standardantwort auf die Frage von Zuhörern bei Lesungen, wie er auf seine Ideen komme: "Immer, wenn das Geld alle ist."
Doch wie angefüllt er mit Wissen über das Schreiben und über das Leben ist, sieht man am besten in seinem Buch "Jan Schröters Goldene Schreibregeln", das er übrigens nur mit Widerwillen geschrieben hat. Er finde Schreibratgeber affig, er habe diese "Schlaubergerliteratur", wie er sie nennt, immer schon abgelehnt. Doch als sein Verleger und Freund blieb ich beharrlich, denn ich ahnte, dass Jan etwas zu sagen hat. Herausgekommen ist ein schmaler, prall gefüllter Band mit 22 Schreibregeln, die Anfängern die Augen öffnen und Profis weiterhelfen. Es sind 22 Einblicke in ein über 25 Jahre währendes Autorenleben, unterhaltend, lehrreich und immer wieder sehr konkret und ehrlich, wo sich andere Ratgeber in Motivationssprüchen erschöpfen.
Ach ja, eine Vita hat Jan auch, hier die aus dem Klappentext seiner Romane: "Jan Schröter kennt die Höhen und die Tiefen des Autorendaseins schmerzlich genau. Er arbeitete als Journalist und Kolumnist, schrieb Reiseführer und Kurzgeschichten, massierte die Herzen der Zuschauer mit seinen Drehbüchern für den ZDF-Kultdampfer „Das Traumschiff“ und war jahrelang Stammautor der ARD-Serie „Großstadtrevier“. Bekannt geworden ist er durch seine absurd-komischen Krimis und Romane, in denen er augenzwinkernd und nicht ohne Mitgefühl seine Figuren ins Chaos stürzt."
25 Jahre als Autor in ein paar Zeilen. Was sich dahinter verbirgt, ist pralles Leben, verrückt und sehr turbulent, immer wieder fesselnd und manchmal auch rührend. Sie können es nachlesen: in seinem autobiographischen Roman "Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte ...", in dem er seinen Weg vom testosteron-gesteuerten Teenager zum erfolgreichen Autor beschreibt. Jan Schröter verrät nicht, was den Tatsachen entspricht und was er für seinen Roman literarisch überhöht hat. Immerhin zitiert er in seiner Schreibregel Nr. 4 Karl May: "Erzähle nicht die Wahrheit, solange dir etwas Interessanteres einfällt."
Also alles nur erfunden? Ich fürchte: nein. Nach allem, was ich von Jan weiß, ist vieles genau so passiert. Er musste sich nichts Interessanteres ausdenken. Sein Leben ist absurd-heiter. Oder besser: Sein Blick auf das Leben ist der eines Menschen, der fest entschlossen ist, sich von den Absurditäten des Alltags nicht unterkriegen zu lassen. Ein halbleeres Glas ist immer halbvoll, und selbst wenn das Halbvolle sich als fingerbreiter Rest entpuppt, muss das reichen, um den Abend zu genießen. Morgen ist ein neuer Tag. Ist das Glas leer, geht es weiter. Augenzwinkernd und kreativ. Nur so lässt sich das Autorendasein mit vollem Genuss ertragen.
Markus Stromiedel ist Autor, Drehbuchautor und Gründer des Kick-Verlages
Jan Schröter ist Tatort-Schreibtisch-Autor und hat die Tatort-Schreibtisch-Bücher "Goldene Schreibregeln" und "Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte" geschrieben.
Mehr Infos über das Buch "Wie mich mein Deutschlehrer ..."
E-Book ohne Anmeldung kaufen
gedrucktes Buch kaufen
Mehr Infos über das Buch "Goldene Schreibregeln"
E-Book ohne Anmeldung kaufen
gedrucktes Buch kaufen
Zum Beispiel die Lesereise nach Weißrussland, von der Jan in seinem sehr amüsanten Ratgeber "Goldene Schreibregeln" berichtet. 16 Stunden Zugfahrt plus eine Stunde Grenzkontrolle - alle seriösen Autoren hatten die Einladung nach Belarus ausgeschlagen. Aber nicht Jan. In der ungeheizten Bibliothek von Brest begleitete ein gelehrter Übersetzer die frostklirrende Lesungsveranstaltung, ein "professoraler Sauertopf mit verkniffener Miene", der schon vor Beginn des Abends nach der Katharsis in Jans tragischkomischen Roman "Rettungsringe" fragte. "Ich fand nicht mal die Zeit zum Googeln," schreibt Jan, "schon deckte er mich mit einem Trommelfeuer literaturtheoretischer Thesen ein. Man raunte mir zu, der Mann habe sich als Übersetzer gehobener deutscher Literatur einen Namen gemacht, Spezialgebiet Heinrich Heine. Falls Sie meine Romane noch nicht kennen … also, ich bin stolz darauf, was ich geschrieben habe. Aber es ist nicht Heine, gebe ich zu."
Gehobene Literaturtheorie und Jan Schröters heitere Texte - weiter entfernt, so scheint es, können zwei Pole nicht sein.
Und dennoch hat der russische Übersetzer Jan auf eine wunderbare Weise gelobt: Auch wenn er Unterhaltungsliteratur ablehne, habe ihm das Buch trotzdem gefallen: weil es "gut schmecke und Bilder male".
Und das trifft es genau. Jans Romane "schmecken" einfach hervorragend, es sind sehr sorgfältig gemalte Portraits von Verlierern, die auf die Gewinnerstraße wechseln wollen, von sympathischen Loosern, die nicht aufgeben, obwohl die Welt da draußen nicht nett zu ihnen ist. Jan schreibt Figuren, die man in den Arm nehmen und dann kräftig schütteln möchte, damit sie endlich aufwachen, aber das Schütteln lässt man bald, denn man merkt schnell, dass Jan mit seinen Figuren in seinen Büchern einiges vorhat und sie lernen lässt, und ziemlich oft wandelt sich vieles zum Guten. Es sind Bücher zum Wohlfühlen, sehr komisch und manchmal auch ein bisschen traurig, gerade in dem Maß, dass Tiefe entsteht, wo andere Bücher oberflächlich bleiben und zu glatt, zu beliebig werden.
Der russische Übersetzer hat es genau erfasst: Das Besondere dabei ist Jans präzise Sprache, die vom Autoren elegant und zugleich unprätentiös eingesetzt wird. Jan Schröter hat es nicht nötig, sich zu inszenieren oder größer zu tun, er muss nichts aufblasen, denn er steht zu seiner Arbeit und zu seinem Wunsch, seine Leser und Leserinnen zu unterhalten. Und er wird mit jedem Buch besser: Gerade in seinen jüngeren Romanen kommt Jan immer dichter an seine Figuren heran, ohne seinen Humor zu verlieren. Das ist große Kunst, auch wenn Jan das jetzt abstreiten würde: Er mache doch nur seine Arbeit, er wolle einfach nur unterhalten.
In der Tat: Jan Schröter würde sich selbst niemals als Künstler bezeichnen. Er blickt pragmatisch aufs Leben. Das zeigt auch seine Standardantwort auf die Frage von Zuhörern bei Lesungen, wie er auf seine Ideen komme: "Immer, wenn das Geld alle ist."
Doch wie angefüllt er mit Wissen über das Schreiben und über das Leben ist, sieht man am besten in seinem Buch "Jan Schröters Goldene Schreibregeln", das er übrigens nur mit Widerwillen geschrieben hat. Er finde Schreibratgeber affig, er habe diese "Schlaubergerliteratur", wie er sie nennt, immer schon abgelehnt. Doch als sein Verleger und Freund blieb ich beharrlich, denn ich ahnte, dass Jan etwas zu sagen hat. Herausgekommen ist ein schmaler, prall gefüllter Band mit 22 Schreibregeln, die Anfängern die Augen öffnen und Profis weiterhelfen. Es sind 22 Einblicke in ein über 25 Jahre währendes Autorenleben, unterhaltend, lehrreich und immer wieder sehr konkret und ehrlich, wo sich andere Ratgeber in Motivationssprüchen erschöpfen.
Ach ja, eine Vita hat Jan auch, hier die aus dem Klappentext seiner Romane: "Jan Schröter kennt die Höhen und die Tiefen des Autorendaseins schmerzlich genau. Er arbeitete als Journalist und Kolumnist, schrieb Reiseführer und Kurzgeschichten, massierte die Herzen der Zuschauer mit seinen Drehbüchern für den ZDF-Kultdampfer „Das Traumschiff“ und war jahrelang Stammautor der ARD-Serie „Großstadtrevier“. Bekannt geworden ist er durch seine absurd-komischen Krimis und Romane, in denen er augenzwinkernd und nicht ohne Mitgefühl seine Figuren ins Chaos stürzt."
25 Jahre als Autor in ein paar Zeilen. Was sich dahinter verbirgt, ist pralles Leben, verrückt und sehr turbulent, immer wieder fesselnd und manchmal auch rührend. Sie können es nachlesen: in seinem autobiographischen Roman "Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte ...", in dem er seinen Weg vom testosteron-gesteuerten Teenager zum erfolgreichen Autor beschreibt. Jan Schröter verrät nicht, was den Tatsachen entspricht und was er für seinen Roman literarisch überhöht hat. Immerhin zitiert er in seiner Schreibregel Nr. 4 Karl May: "Erzähle nicht die Wahrheit, solange dir etwas Interessanteres einfällt."
Also alles nur erfunden? Ich fürchte: nein. Nach allem, was ich von Jan weiß, ist vieles genau so passiert. Er musste sich nichts Interessanteres ausdenken. Sein Leben ist absurd-heiter. Oder besser: Sein Blick auf das Leben ist der eines Menschen, der fest entschlossen ist, sich von den Absurditäten des Alltags nicht unterkriegen zu lassen. Ein halbleeres Glas ist immer halbvoll, und selbst wenn das Halbvolle sich als fingerbreiter Rest entpuppt, muss das reichen, um den Abend zu genießen. Morgen ist ein neuer Tag. Ist das Glas leer, geht es weiter. Augenzwinkernd und kreativ. Nur so lässt sich das Autorendasein mit vollem Genuss ertragen.
Markus Stromiedel ist Autor, Drehbuchautor und Gründer des Kick-Verlages
Jan Schröter ist Tatort-Schreibtisch-Autor und hat die Tatort-Schreibtisch-Bücher "Goldene Schreibregeln" und "Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte" geschrieben.
Mehr Infos über das Buch "Wie mich mein Deutschlehrer ..."
E-Book ohne Anmeldung kaufen
gedrucktes Buch kaufen
Mehr Infos über das Buch "Goldene Schreibregeln"
E-Book ohne Anmeldung kaufen
gedrucktes Buch kaufen
weiterlesen
Exklusiv nur bei "Tatort-Schreibtisch":
Bücher kostenlos lesen und hören
"Tatort Schreibtisch" ist eine Initiative des Kick-Verlages, der sich der Leseförderung von Kindern und Jungendlichen sowie der Autorenförderung verschrieben hat. Im Rahmen dieser Förderprogramm ermöglicht "Tatort Schreibtisch" auf seinen Webseiten, alle Bücher aus seinem Programm kostenlos zu lesen und zu hören.
Um dieses exklusive und einmalige Angebot anzunehmen, brauchen Sie nur ein kostenloses Tatort-Schreibtisch-Konto zu eröffnen, um sofort danach auf Ihrem Smartphone oder Ihrem Computer alle Bücher und Hörbücher lesen zu können. Die ersten 40-50 Seiten oder die ersten 45-60 Minuten sind immer kostenlos, danach werden Sie gebeten, von "Tatort Schreibtisch" z.B. auf ihrem Social Media Account zu berichten, als Dankeschön schalten wir Ihnen weitere Abschnitte des jeweiligen Buches frei.
Hör- und Lesestoff finden Sie hier:
Fragen und Antworten - sofort!
Facebook-Gruppe bietet Forum für den direkten AustauschMitglieder der Facebook-Community haben ab sofort die Möglichkeit, mit vielen der Autorenpaten aus dem Tatort-Schreibisch-Patenprogramm direkt in Kontakt zu treten. In der Gruppe "Autoren-Tipps und Tricks" können Schreib-Interessierte Fragen stellen, die von den Profi-Autoren und -Autorinnen beantwortet werden.
Hier geht es zur Facebook-Gruppe
Eine Bühne für Ihre Projekte
Hier geht es zur Tatort-Schreibtisch-Community
Entdecken Sie die Community von Tatort-Schreibtisch
Tatort-Schreibtisch ist nicht nur ein Ort, an dem Sie Ihre Texte mit Hilfe von Profis weiterentwickeln können. Die Tatort-Schreibtisch-Community bietet allen Teilnehmern der Autorenpaten-Programme ein Forum, Ihre Projekte interessierten Verlagen und Redaktionen vorzustellen. Dies ist ein kostenloses Angebot von Tatort-Schreibtisch (das Sie in Anspruch nehmen können, aber nicht müssen). Auf den Seiten der Community finden Sie außerdem Erfahrungsberichte von Teilnehmern, die das Autorenpaten-Programm erfolgreich abgeschlossen haben.Hier geht es zur Tatort-Schreibtisch-Community
